Umdenken

Höher. Schneller. Weiter. Die Maxime unserer Zeit. Aber muss man dies auch im Umwelt- und Klimaschutz umsetzen? Oder reicht es einfach, wenn man auch ein paar andere zum Umdenken und Hinterfragen anregt?

„Wow! Ich finde einfach toll, wie du das machst!“ Bewundert mich meine Arbeitskollegin beim Einkauf unseres Mittagessens, als ich gerade meine Einkäufe in meinen mitgebrachten Jutebeutel packe. „Was genau meinst du?“, frage ich sie. Und sie erklärt mir wie gut sie es findet, dass ich mit meinem Beutel unterwegs bin, Tomaten, Champignons und Salat unverpackt kaufe und mich vorher darüber beschwert habe, dass es nach dem Umbau des Supermarkts den Bio-Joghurt nicht mehr im Glas gibt. Ich selbst habe mir dagegen ununterbrochen die Frage gestellt, ob es der Mozzarella heute sein muss. Denn dafür habe ich bisher noch keine wirklich plastikfreie Alternative gefunden. Und ich mag Mozzarella.


„Und so machen es nicht nur wir, sondern viele, viele andere.“


Dabei ist es nicht nur diese eine Kollegin, die mich beim Einkaufen bewundert. Auch andere fragen mich immer wieder wie ich das mache, dieses umweltbewusste Leben, auf was ich alles achte und ob ich noch irgendwelche Tipps habe. Ganz ehrlich? Ich weiß es doch auch nicht. Je mehr ich über dieses nachhaltige, umweltbewusste, plastikfreie, vegetarisch/vegane XY-Leben nachdenke, desto mehr realisiere ich, dass ich ganz am Anfang stehe. Und dann sehe ich auch erst, was ich noch alles verbessern kann.

Sind Outdoorsportarten automatisch umweltfreundlich?

Denn nehmen wir einmal meine Hobbys oder die sog. Leidenschaften: Das sind hauptsächlich Mountainbiken und Skifahren. Ist doch alles draußen. Sind doch alles Natursportarten. Könnte man meinen. Aber fangen wir mal von vorne an. Beispielsweise bei der Anreise. Ich wohne in München und es ist relativ unwahrscheinlich, dass ich direkt von meiner Haustüre mit meinen Ski losfahren kann. Ganz abgesehen davon, dass es in München eigentlich nur den Olympiaberg gibt, der das Anschnallen von Ski eventuell legitimieren könnte. Also muss ich dazu in die Berge. Der Zug ist dafür nur bedingt geeignet, da er meist mehrere Umstiege und somit mehrere Stunden Anfahrt bedeutet, so dass es, Verspätungen miteingerechnet, passieren kann, dass man erst da ist, wenn der Skitag bereits vorbei ist. Dann ist da noch der Flixbus. Hält in Garmisch, Seefeld und Innsbruck. Gute Voraussetzungen also. Seine Haltestellen sind aber auch begrenzt und so läuft es meist darauf hinaus, dass ich in das eigene Auto steige. Und so machen es nicht nur wir, sondern viele, viele andere.

 

Muss man sich als umweltbewusster Mensch solche Tagestrips abschminken? ©Wild Recreation

Das gleiche ist es doch beim Mountainbiken. Keine Frage, ich fahre wirklich gerne direkt hier in München an der Isar entlang. Aber irgendwann will man auch mal in die Berge. Und da die Bahn bei der Fahrradmitnahme häufig reichlich unflexibel und vor allem häufig viel zu teuer ist, läuft es auch da wieder auf das Auto hinaus. Ist doch auch irgendwie bequem und man hat alles dabei.

Kann man Skifahren und Mountainbiken heutzutage noch legitimieren?

Und schon stehe ich wieder an dem Punkt, wo ich ins Grübeln komme: Sind Mountainbiken und Skifahren als Sportarten heutzutage noch legitim, wenn man sich mit Dingen wie Umweltschutz und Klimawandel näher auseinandersetzt? Können wir es neben der Anfahrt verantworten, Equipment für mehrere tausende Euro zuhause stehen zu haben und dieses auch regelmäßig wieder zu ersetzen, weil es unser Hobby ist? Selbst wenn wir auf umweltbewusste Marken zurückgreifen? Denn sind wir doch einmal ehrlich: Die Outdoorindustrie ganz allgemein ist nicht gerade ein Vorreiter, wenn es um umweltfreundliche und recycelte Materialien geht. Natürlich, es gibt auch Firmen, die das anders machen. Aber im großen Ganzen. Und wenn wir uns schon im Alltag für mehr Umweltschutz einsetzen, warum dann nicht auch im Sport?


„Besser geht ja immer.“


Manchmal verliere ich mich in diesen Fragen und sehe dann gar nicht mehr, was schon alles passiert. Vor ein paar Jahren wären Unverpackt-Läden eine echte Ausnahme gewesen, die eher in die Kategorie Alt-68er gefallen wären, als in Berliner-Hipster. Fashionblogger hätten sich nur auf Fast Fashion und möglichst viele, sich ständig ändernde Trends gestürzt, statt Fair Fashion cool zu machen und aus der Öko-Strick Ecke rauszuholen. Und wahrscheinlich hätten sie auch keinen Fair Fashion Move organisiert. Ansätze gibt es doch schon. Auch in der Outdoorbranche.

Besser geht ja immer. Und wenn man einen Schritt gemacht hat, will man gleich den nächsten gehen. Und den nächsten. Ständig weiter und immer besser. Aber vielleicht ist es ja schon gut, dass man zum Hinterfragen anregt. Dass man zeigt, wo man Sachen anders machen kann, sich nicht unter Druck setzt, alles sofort zu ändern, sondern einfach da, wo es jetzt gerade geht. Einfach raus geht und den Sport macht, den man so gerne hat. Mitten in der Natur. Und vielleicht kommt dann eines zum anderen und auch in der Outdoorbranche tut sich was. Nicht weil es gerade in ist, sondern weil es wirklich ein Umdenken gab.

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