Im Interview mit Doghammer: Faire und nachhaltige Outdoorschuhe aus Rosenheim

Nachhaltige Senker aus Kork von Doghammer

Outdoorschuhe aus recycelten Materialien wie PET-Flaschen oder Kork und Hausschuhe aus Skifellresten. Geht das? Klar, gibts bei Doghammer. Ich habe mit Sandra und Martha von Doghammer über Nachhaltigkeit, das Wundermaterial Kork und die Anfänge des Rosenheimer Schuh-Startups gesprochen. 

Hi Sandra und Martha, wie hat das denn alles mit Doghammer angefangen?

Sandra: Ich selbst bin auch erst seit einem Jahr da und habe die Anfangsgeschichte auch nur erzählt bekommen. Aber die Geschichte hat so angefangen dass Matthias und Mila (Anmerkung d. Red. Maximilian Hundhammer und Matthias Drexlmaier) schon lange Freunde sind und zusammen gesportelt haben und am Berg unterwegs waren. Da kam den beiden die Idee, dass sie gerne eine super lässige Sandale hätten, die trotzdem outdoortauglich ist. Also nicht diese typische Trekkingsandale, die man aus dem Outdoormarkt kennt, sondern bisschen lässiger. Gemeinsam mit einer Werkstatt aus Rosenheim, in der Menschen mit Behinderung arbeiten, haben sie dann angefangen den ersten Doghammer Zehentrenner herzustellen. Es war ein Flip Flop, der eine profilierte Sohle hatte und einen sehr gemütlichen Zehensteg und den man z.B. nach dem Klettern oder für ganz leichte Wanderungen tragen konnte. So ist Doghammer auch auf das Thema Schuhe gekommen, hat sich dann immer weiterentwickelt und mit Freunden, Familie oder auch der Community auf Social Media wurden immer neue Modelle gefertigt. 

Ganz wichtig war für Matthias und Mila die Nachhaltigkeit der Produkte. Weil es ziemlich kontrovers ist, dass vor allem Outdoorsportler, die sehr viel in der Natur und am Berg unterwegs sind, oft auf synthetische und chemisch behandelte Materialien zurückgreifen. Die beiden haben sich gedacht, dass das doch nicht sein muss und das hat sich jetzt auch bewiesen. Denn mittlerweile haben wir sehr viele Materialien gefunden, die den Outdoorbedingungen Stand halten. So hat sich das Sortiment einfach weiterentwickelt und heute haben wir über den Zustiegsschuh, den Wanderschuh bis zum urbanen Sneaker sämtliche Schuhmodelle. 

Nachhaltige Lifestyle Schuhe von Doghammer am Lagerfeuer
Von nachhaltigen Sneakern bis zu Sandalen und Multifunktionsschuhen: Doghammer will die Outdoorbranche mit Fairness und Nachhaltigkeit aufwirbeln. | Foto: Doghammer

Kommt einer von beiden aus dem Bereich Schuhe oder hat sich das eher zufällig entwickelt?

Sandra: Das hat sich eher zufällig entwickelt. Mila hat Wirtschaftsinformatik studiert und Matthias Gesundheitsmanagement. Matthias ist da also schon etwas näher dran und hält auch die Stellung bei uns in der Werkstatt, weil er sich eben mit Gesundheit und Füßen auskennt. Aber generell ist das tatsächlich selbst erlerntes Wissen und die beiden haben Workshops und Lehrgänge über die Schuhindustrie und die Herstellung von Schuhen besucht. 

Outdoorschuhe aus recycelten und upgecycelten Materialien

Du hast es schon angedeutet, für euch sind die Themen Nachhaltigkeit und eine faire Produktion sehr wichtig, aber auch vor allem das Thema Recycling bzw. Upcycling. Warum?

Martha: Es ist ja generell der Trend, dass man immer ressourcenschonender arbeiten möchte und uns ist es besonders wichtig, dass wir vor allem nicht nur für das nächsten Jahr die Ressourcen schonen können, sondern dass auch die nächsten Generationen unsere Ressourcen verwenden können. 

Recycelte Materialien Doghammer
Doghammer setzt voll auf recycelte oder upgecycelte Materialien. | Foto: Doghammer

Was muss man beachten, wenn man Schuhe aus recycelten Materialien herstellt?

Martha: Ganz generell ist es immer etwas anderes, wenn man sich zum Beispiel an neue Materialien heran wagt, wie zum Beispiel Kork. Im Prinzip achten wir darauf, dass unsere Schuhe besonders outdoortauglich sind, dass sie angenehm zu tragen sind und dass sie leicht und atmungsaktiv sind. Das gewährleistet bei uns schon die Verwendung von Kork. Natürlich ist es etwas anderes wie synthetisches Material und man muss vielleicht ein kleines bisschen besser darauf Acht geben, aber im Prinzip achten wir darauf, dass sich die Kunden nicht allzu viele Sorgen darum machen müssen. An vielen unserer Schuhen haben wir zum Beispiel einen Abriebschutz und dadurch ist gewährleistet, dass man den Schuh entspannt auch outdoor tragen kann. 

Habt ihr bei euren Materialien schon mal gemerkt, dass recyceltes Material vielleicht andere Eigenschaften hat als komplett neue Materialien?

Martha: Ich finde, das kann man nicht pauschalisieren. Bevor ich hier angefangen habe, wusste ich auch nicht, zu wie vielen Formen man PET-Flaschen weiterverarbeiten kann. Wir nutzen zum Beispiel einen Filz, der einem Wollfilz sehr ähnlich ist und ich hätte nicht gedacht, dass man das von der Struktur so hinbekommt. Deswegen finde ich, dass es wirklich auf das Material selbst ankommt und wie es zusammengesetzt wird. Durch die verschiedenen Produktionsarten und durch das unterschiedliche Material, das dann am Ende dabei rauskommt variieren auch die Funktionen. Unser recycelter Kork wird zum Beispiel zum Korkgranulat weiterverarbeitet und findet sich dann mit recyceltem Gummi bei uns in der Sohle wieder. Das ist eine sehr gute Mischung, die super widerstandsfähig ist und durch die Verbindung von Kork und Gummi ist die Sohle super flexibel und angenehm zu tragen. Aus dem Korkgranulat kann man dann wieder neues Obermaterial machen und die Eigenschaften vom Kork bleiben dabei erhalten.

Nachhaltige und faire Schuhe von Doghammer aus Rosenheim
Nicht nur die klassischen synthetischen Materialien halten Outdoorbedingungen Stand, auch natürliche Materialien wie Kork lassen sich dafür bestens einsetzen. | Foto: Doghammer

Sandra: Man muss dazu sagen, dass Kork super elastisch ist. Das ist eine der wichtigen Eigenschaften von Kork und selbst wenn der Kork wieder recycelt wird, verliert er seine Eigenschaften nicht.

Martha: Bei Kork denken auch viele direkt an die Pinnwände und viele fragen sich dann, ob Kork nicht super brüchig ist. Aber das kommt einfach auf die Macharten an. Und es gibt immer mehr Recyclingmaterial auf dem Markt und neue Hersteller – wir als Startup probieren uns da einfach durch. Für die neue Kollektion bekommen wir jetzt beispielsweise Material aus Meeresplastik. Das testen wir aber vorher noch für den Schuheinsatz. Denn viele Materialien müssen einfach für den Outdooreinsatz nochmal angepasst werden. Man kann das nicht pauschalisieren. Man muss einfach darauf achten für was man das Material einsetzen möchte.

Achtet ihr dann trotzdem darauf, wo die Materialien her kommen?

Sandra: Ja, wir achten auf jeden Fall darauf wo die Materialien herkommen. Wichtig ist uns, dass alle unsere Materialien aus Europa kommen und daran wollen wir auch wirklich festhalten, weil wir dadurch gewährleisten wollen, dass wir nicht alles outsourcen, sondern faire Arbeitsbedingungen schaffen und von Familienbetrieben fertigen lassen. Und somit die europäische Wirtschaft unterstützen. 

Martha: Wir profitieren natürlich auch von den kurzen Transportwegen. Sei es jetzt von dem fertigen Schuh zu uns nach Deutschland aus Portugal oder ob das Material jetzt aus einem anderen europäischen Land nach Portugal gebracht wird. Das sind einfach kürzere Produktionswege. 

Skifelle für drinnen: Der Hüttenschuh aus Zuschnittresten

Hüttenschuhe aus Skifellresten von Doghammer
Mein neuer Lieblings-Begleiter für den Winter: Kuschelige Hüttenschuhe aus Skifellresten. | Foto: Doghammer

Ich durfte euren Hüttenschuh aus Skifellresten in diesem Winter testen. Wie kamt ihr auf die Idee, Hüttenschuhe aus Fellresten zu fertigen?

Sandra: Wie schon gesagt entstehen unsere Produkte so ein bisschen aus unseren eigenen Bedürfnissen und wir sind in Rosenheim im Voralpenland und fahren selber gerne Ski und gehen in die Berge und da kam uns die Idee ganz spontan beim Skifahren, dass man ja eigentlich ein Skifell in unseren Hüttenschuhen weiterverarbeiten könnte. Wir sind dann in Kontakt mit Contour gekommen, dem Fellhersteller aus Österreich und es ist eine Kooperation entstanden. Zuerst war das eine limitierte Kollektion und seit letztem Herbst/Winter gibt es noch einen zweiten Hüttenschuh mit Contour und wir haben außerdem noch Kästle mit ins Boot geholt.

Jetzt kann ich mir vorstellen, dass sich ein paar Leser denken „Ich habe auch noch ein paar alte Skifelle zuhause liegen, kann ich die nicht bei euch vorbei bringen“?

Sandra: Das ist eine coole Idee. Wir haben gerade auch eine Korkensammelaktion. Unter dem Namen „Cork collect“ sammeln wir seit letztem Jahr alte Weinkorken, die wir dann zurück in die Produktion von uns schicken und dort wird daraus neues Ober- oder Sohlenmaterial für unsere Schuhe hergestellt. Das könnte man eigentlich auch mit Skifellen machen. Nur haben wir die Skifellreste aus der Produktion und das sind meistens größere Teile. Zugeschnittene Felle sind ja meist eher schmaler. Da müsste man schauen, ob man die zu einem Patchwork zusammennähen kann. Kam mir gerade spontan die Idee.

Skifellreste für Hüttenschuhproduktion von Doghammer
Aus Skifellresten, wie zum Beispiel hier von Kästle, stellt Doghammer die Hüttenschuhe her. | Foto: Doghammer

Alles Kork oder was?

Fast in allen euren Schuhen ist Kork verarbeitet. Wie ist es zu eurem Lieblingsmaterial geworden?

Martha: Wie vorhin kurz erwähnt, Kork hat einfach super viele Eigenschaften, die vor allem in der Schuhproduktion von Vorteil sind. Zum einen ist Kork super leicht, Kork ist isolierend. Wir verwenden zwar teilweise noch Fellreste in unseren Schuhen, aber Kork an sich ist schon isolierend. Kork ist außerdem elastisch und undurchlässig und in erster Linie nachhaltig und das ist auch unser Hauptaugenmerk. Kork ist einfach ein tolles Produkt und hat so viele Eigenschaften, die förderlich sind und ist außerdem gut zu recyceln.

Sandra: Kork hat aber tatsächlich nicht nur am Schuh gute Eigenschaften, sondern ist auch wirklich ein Pluspunkt für die Natur. Bis die Korkeiche geschält werden kann vergehen neun Jahre und eine geschälte Korkeiche, man verwendet ja nur die Rinde von dem Baum d.h. er muss nicht gefällt werden, bindet dreimal so viel CO2 wie ungeschälte Bäume. 

Martha: Zum ersten Mal kann die Korkeiche tatsächlich auch erst nach 25 Jahren geschält werden und danach dann alle neun Jahre. Das gute ist eben, dass der Baum selbst nicht verletzt wird, sondern nur die Rinde geerntet wird. 

Kork von Korkeiche
Eines des Lieblingsmaterialien von Doghammer ist Kork: Hier sieht man die abgeschälten Rinden der Korkeichen. | Foto: Doghammer

Kann die Funktionsfähigkeit von Kork mit gewohnten, synthetischen Materialien mithalten? Ist es genauso pflegeleicht?

Martha: Ich würde auf jeden Fall sagen, dass Kork da mithalten kann. Wenn man es z.B. mit synthetischen Stoffen vergleicht, würde ich als Vorteil auf jeden Fall die Atmungsaktivität sehen. Natürlich ist Kork ein anderes Produkt und es ist vielleicht eine neue Verwendung, die man noch nicht gewohnt ist. Aber für uns ist einfach ein großer Pluspunkt, dass Kork nachhaltig abgebaut werden kann, dass wir Recycling und Upcycling unterstützen und dass wir im Hinblick auf nächste Generationen auf so ein Material zurückgreifen.

Sandra: Wir arbeiten nicht nur daran, dass wir Produkte vertreiben und damit Geld verdienen, sondern wir wollen auch wirklich das Bewusstsein für die Herstellung, für Materialien rüberbringen und stärken und sind da auch mit unserer Produktion und unseren Materialien total transparent. Unsere Schuhe sind für die Berge gemacht und damit bewegen wir uns natürlich in einem Nischenmarkt, vor allem wenn so ein kleines Unternehmen die Outdoorbranche revolutionieren will. Da sind auch große Hersteller skeptisch. Aber wir arbeiten einfach daran, dass das Bewusstsein gestärkt wird und versuchen da auch ein bisschen die Skepsis zu nehmen. Jeder muss da auch einfach für sich ausprobieren. 

Vielleicht sind wir auch einfach nur die synthetischen Materialien zu sehr gewohnt und vielleicht liegt es einfach am Konsumenten, an der Konsumentin selbst umzudenken und offen zu sein. 

Sandra: Auf jeden Fall und ich glaube das passiert vor allem auch gerade. Es ist natürlich viel schwieriger unverpackt einzukaufen. Aber das Bewusstsein ist da. Und bei uns kann der Kunde die Schuhe einfach kaufen, es ist aber trotzdem wichtig, dass man sich vorher mit dem Thema befasst und vielleicht diesen Mehrwert auch einfach erst lernen muss. 

Sandalen von Doghammer
Auch in Zukunft will Doghammer weiterhin nachhaltige und faire Schuhe produzieren und Recycling- und Upcyclingaktionen fördern. | Foto: Doghammer

Wie wird es für Doghammer in Zukunft weitergehen? Wohin führt die Reise von nachhaltigen Schuhen im Jahr 2021 und darüber hinaus?

Martha: Wichtig ist es für uns, dass wir weiterhin nachhaltig agieren und unsere Recycling- und Upcyclingaktionen fördern. Unter anderem führen wir unsere „Cork collect“ Aktion weiter mit dem Ziel eine Tonne Korken zu sammeln. Das ist ein relativ hohes Ziel, aber wir hoffen auf die Hilfe von vielen Händlern und Privatkunden. Letztes Jahr haben wir 170.000 Korken gesammelt. Man muss sich mal vorstellen wie viel Wein das ist. Das gute bei der diesjährigen Aktion ist, dass wir am Ende für jedes Kilo Korken einen Euro an die Alpenschutzkommission Cipra spenden. Deshalb erhoffen wir uns damit nochmal einen höheren Beitrag zum Thema Recycling leisten zu können. Dazu kommt, dass wir uns bei unserer Kollektion Richtung urbane Sneaker trauen. 

Vielen Dank für das Gespräch!

Noch mehr über Doghammer kannst du auf ihrer Webseite erfahren.

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