Die neue Form der Freiheit – das Gravelbike

Gravelbike ist gleich Freiheit

Das Fahrrad war schon immer Ausdruck von Freiheit. Zwei Reifen und ein bisschen Muskelkraft, mehr brauchte es nicht für Abenteuer. Auch wenn in der Zwischenzeit ein bisschen mehr technische Raffinesse hinzugekommen ist, steht das Rad noch heute für Unabhängigkeit. Vor allem in Zeiten wie diesen. Und vor allem das Gravelbike. 

Alles fing mit einer Sehnsucht an. Danach schnell unterwegs zu sein. Von einem Ort zum anderen. Von A nach B. Aber nicht an den Asphalt gebunden. Der Asphalt war die Leitplanke der Freiheit. Das Material, das die Richtung vorgibt. Ich wollte die größtmögliche Unabhängigkeit. Asphalt, Schotter, Wurzeln, Bachbetten, Trails, Wiese. Keine Einschränkungen. Keine Kompromisse. Ich wollte alles. Aber in schnell. Mein Mountainbike konnte mir das nicht liefern. Was es auf dem Trail zum perfekten Begleiter machte, machte es im Alltag zu einem schwerfälligen Klotz am Bein. Federgabel und Dämpfer? Weg damit. Breite Stollenreifen? Braucht kein Mensch. Doch das Rennrad war mir zu engstirnig. „Free your mind“ war meine Devise und das durfte mein Fahrrad nicht einschränken. Und so habe ich mir schon 2014 ein Gravelbike gewünscht. Damals gab es gerade die ersten Cyclocrosser. Gravelbikes, die auf lange Distanzen und mit einer weniger gestreckten Geometrie designt waren, gab es zu diesem Zeitpunkt erst in den Anfängen. Die grenzenlose Radlfreiheit mit Dropbar-Lenker existierte vor allem nur in meinem Kopf. Mit der Zeit haben dann aber auch die Fahrradhersteller das Konzept Gravelbike für sich entdeckt. Und es gab immer mehr. Doch leider ließ es dann mein Geldbeutel nicht zu. Ein Zweitfahrrad, wenn ich am Wochenende doch nur mit dem Mountainbike unterwegs war? Keine Chance.

Frau mit Gravelbike auf Forstweg
Mein Gravelbike verspricht Freiheit, Unabhängigkeit und doch kann ich damit Strava Auszeichnungen sammeln. © Wild Recreation

Bis zum neuen Job. Mit weiterer Anfahrt und einer Möglichkeit das Gravelbike als Pendlerbike anzuschaffen. Jetzt zog es also ein. Im April 2019. Im April 2020 steht es für die neue Freiheit. Ausgangsbeschränkungen. #staythefuckhome. Corona. An Mountainbike-Ausflüge in den Bergen ist nicht zu denken. Reisen in andere Länder schon gar nicht. Jetzt hat mein Gravelbike seinen Auftritt. Mein Specialized Diverge kann endlich das tun, wofür es gemacht wurde. Nicht nur die Strecke von meiner Wohnung ins Büro zurücklegen, obwohl es selbst das zum Abenteuer hat werden lassen.

Seit ich es habe scrolle ich auf meinem Arbeitsweg nicht mehr gelangweilt im Zug durch meinen Instagramfeed, ich weiche Pfützen aus, erklimme Berge, beobachte Füchse und Eichhörnchen, freue mich am Morgennebel und der drückenden Nachmittagssonne. Ich trete gegen E-BIkes an und gewinne sogar. Ich höre Podcasts, lasse mich um 6 Uhr morgens bereits von Punkmusik zu noch höheren Trittfrequenzen anfeuern oder von entspannten Singer-Songwritern durch die Wälder treiben. Jetzt versuche ich nicht mehr nur schnell von A nach B zu kommen – oder irgendwie doch. Strava Auszeichnungen kann ich schließlich auch holen. Aber irgendwie auch anders. Bereits vor der Arbeit begebe ich mich ins Abenteuer, muss damit klar kommen, dass mein eigener Körper den Takt und die Geschwindigkeit vorgibt und gebe mich der langen Hin- und Rückreise hin. Immer wieder aufs Neue. Jeden Tag. Oder jeden zweiten. Je nachdem was meine Beine sagen. Und wenn ich dann doch wieder in den Zug steige, frage ich mich, ob es die Beine heute nicht doch noch einmal geschafft hätten. Vielleicht hätte es halt ein bisschen länger gedauert. Aber ich hab ja Zeit. Ein #extralongwaytowork eben. 

Bikerinnen auf Bank mit Ausblick
Auch Zwetschgenknödelausfahrten mit der Bikefreundin und einem E-Bike macht es mit. © Wild Recreation

Diese Zeit habe und nehme ich mir auch jetzt. Während ich mit meinem Mountainbike an die Isartrails gebunden bin, erkunde ich mit meinem Gravelbike den Landkreis. Mindestens. Ich entdecke Dörfer, Seen, Eisautomaten, Bärlauchfelder oder Badestellen. Im letzten Jahr waren es sogar die legendären Zwetschgenknödelausfahrten. Wäre nicht der Lockdown, ich wäre nie auf die Idee gekommen am Wochenende 120 Kilometer zu einem Eisautomaten südlich von Weilheim zu radeln. Obwohl: vielleicht doch. Wahrscheinlich sogar. Aber jetzt habe ich keinen Druck. Ich muss nicht abliefern. Nicht am Montag damit prahlen, wo ich am Wochenende war. Jetzt kann ich einfach treten und mich treiben lassen. Mit den Schuhen in den Klickis, den Haaren im Wind und den ersten Bräunungsstreifen entlang meiner Fahrradsocken. Danke liebes Gravelbike für diese unendliche Freiheit.

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