Was bedeutet Wildnis?

Stovepipe Wells im Death Valley

Die Natur war schon immer mein Rückzugsort, die Wildnis das Utopia der Social Media Welt. Aber was bedeutet Wildnis überhaupt? Was macht sie aus und welche Rolle spielt der Mensch in ihr?

8,6 Mio. Beiträge auf Instagram finden sich unter #wilderness. Unter den Top 50 Hashtags landet #nature auf Platz 14 – mit 748 Mio. Beiträgen. Social Media hat Sehnsucht. Nach unberührten Landschaften. Bergen. Seen. Meer. Urwäldern. Nach einem Perspektivenwechsel. Ruhe. Freiheit. Und: Abstand von der Zivilisation. 

Social Media hat Sehnsucht. Nach unberührten Landschaften. Und: Abstand von der Zivilisation.

Dieser Abstand, dieses Aussteigen hat Menschen schon immer fasziniert. Man denke nur an Henry David Thoreau, der bereits 1845 in die Wälder Massachusetts zog, um der Zivilisation für zwei Jahre den Rücken zu kehren. Sein daraus entstandenes Buch „Walden“ ist heute ein Klassiker der Aussteiger-Literatur. Viele Nachahmer folgten. Eines der bekanntesten Beispiele ist Christopher McCandless, dessen Geschichte in „Into the Wild“ verfilmt wurde. Doch was ist diese Wildnis? 

Stovepipe Wells Death Valley im Sonnenaufgang
Foto: Wild Recreation

Als Begriff kann die Wildnis nur als Gegenentwurf zu unserer menschengemachten Kulturlandschaft wahrgenommen werden. Nur im Kontrast zu Zivilisation, Computern, Häusern, kann es einen Raum geben, in dem die Natur noch Natur ist. Lasst uns die Wildnis deshalb aus ökologischen Gesichtspunkten betrachten: Dann ist Wildnis eine Gegend mit ursprünglichem, intaktem Naturhaushalt bzw. gesunden Ökosystemen. Die sich selbst regulieren und in die sich der Mensch idealerweise hätte einfügen müssen, statt aus ihnen kurzfristigen, wirtschaftlichen Nutzen zu ziehen. Laut Bundesamt für Naturschutz sollen „in Wildnis(entwicklungs)gebieten vielfältige natürliche räumlich-dynamische Prozesse weitestgehend ungestört ablaufen können.“ Durch diese natürliche Dynamik wird eine standorttypische biologische Vielfalt gefördert und gesichert. Das heißt: Natur kann sich hervorragend selbst an sich ändernde Umweltbedingungen anpassen. So auch an den Klimawandel. Wildnisgebiete können sogar die Auswirkungen des Klimawandels begrenzen, denken wir nur mal an die Moore als Kohlenstoffsenken.

Wir brauchen Wildnis für unsere geistige Gesundheit.

T.C. Boyle

Doch auch für uns Menschen tut Natur so einiges. Der Schriftsteller T.C. Boyle hatte ganz recht, als er in einem Interview sagte: „Wir brauchen Wildnis für unsere geistige Gesundheit.“ Unberührte, ursprüngliche Landschaft schenkt uns Freiheit, Ruhe und den genannten Perspektivenwechsel. Sie lässt uns das Smartphone zur Seite legen und ganz bei uns ankommen. Stichwort Freizeit- und Erholungswert, könnte man sagen. Dabei muss es nicht Alaska sein, auch in die städtischen Gebiete kehrt die Wildnis zurück. Die Natur erobert sich alte Rangierbahnhöfe oder Tagebaustätten. Diese aufgegebenen Orte sind ideal um Wildnis wieder zu entdecken. Und dabei zuzusehen, wie die Natur einfach nur Natur ist. Und wir als Teil von ihr mittendrin. Denn schon Thoreau wusste: „Die Wildnis ist es, die die Welt bewahrt.“

Stovepipe Wells im Death Valley mit Thoreau Zitat

Wanderungen durch die letzten wilden Orte und Wildnis-ähnlichen Flächen findest du Wilder Places – 30 Streifzüge durch ein wildes Deutschland, Kompass Verlag, 2023, wofür ich die Texte schreiben durfte.

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