Warum Wasserkraftwerke negative Umweltauswirkungen haben

Erneuerbare Energien sollen Klima und Umwelt retten. Fluss- und Speicherkraftwerke sind allerdings umstritten – neue Anlagen haben schwerwiegende Auswirkungen auf die Umwelt. Deswegen stellen sich Umweltschützer zusammen mit dem amerikanischen Outdoorhersteller Patagonia gegen die geplanten Kraftwerke im Balkan und kämpfen für das „Blue Heart of Europe“.

Windkraft. Biomasse. Sonnenenergie. Wasserkraft. Alles erneuerbare Energien, die zum Klimaschutz und der Energiewende beitragen sollen. Gute Sache, denkt man zuerst. Leider haben aber nicht alle erneuerbaren Energien positive Auswirkungen. Dazu gehört auch die Wasserkraft. Vor allem der Bau von Staudämmen. Diese verändern bzw. zerstören ganze Lebensräume und Landschaften und stellen laut Umweltbundesamt eine erhebliche Belastung der Hydromorphologie sowie eine Bedrohung für die dort lebenden Tiere und Menschen dar.

Umweltauswirkungen von Wasserkraftwerken

Lebensraum von Wildtieren geht verloren
Durch das Blockieren und Umleiten von Flüssen verändert sich das gesamte Wassereinzugsgebiet. Wird ein Fluss durch Wehre oder Staudämme gestaut, wird das Wasser aus dem eigentlichen Flussbett ausgeweitet und verliert seine Fließeigenschaften. Dieser Aufstau verdrängt Tier- und Pflanzenarten, die auf fließendes Wasser angewiesen sind, die eingeschränkte Abfluss- und Grundwasserdynamik führt zu einem Verlust der Auenstandorte und die Selbstreinigungskraft des Gewässers nimmt ab. Außerdem werden viele Fische in den Turbinen verletzt oder getötet. Da helfen selbst extra angelegte Fischtreppen nicht weiter. Hinzu kommt, dass sich stehende Gewässer schneller in der Sonne aufheizen. Häufig bis auf Temperaturen, die für einige Arten tödlich sein können. Manche Abschnitte trocknen sogar komplett aus und entziehen den Arten ihren Lebensraum.

Durch den Bau von Staudämmen werden ganze Lebensräume verändert – und zerstört ©Ben Knight aus dem Film DamNation

Menschen werden aus ihrer Heimat vertrieben
Allein durch den Bau von Staudämmen wurden bis heute weltweit rund 40 bis 80 Millionen Menschen aus ihrer Heimat vertrieben. Dabei werden nicht nur ganze Dörfer geflutet, sondern Staudämme verhindern auch die fruchtbaren Ablagerungen in den Auen und Flussdeltas, die für landwirtschaftliche Flächen als Dünger genutzt werden.

Verschlechterung der Wasserqualität
Durch die Reduzierung der Wasserfließgeschwindigkeit und dadurch, dass sich stehende Gewässer schneller erwärmen, wird das Wachstum von giftigen Algen begünstigt. So tragen Staudämme zur Verschlechterung der Wasserqualität bei.

Wasserknappheit wird erhöht
Staudämme und Wasserumleitungen begünstigen Wassermangel bzw. -knappheit. Bereits heute leben zwei Drittel der Weltbevölkerung in Regionen, in denen Wasserknappheit herrscht. Laut Vereinten Nationen wird dieses Problem durch Wasserkraft noch begünstigt, da durch Stauseen weltweit mehr Wasser verdunstet als Wasser durch Menschen verbraucht wird.

Das Hetch Hetchy Tal im Yosemite Nationalpark wurde Anfang des 20. Jahrhunderts zur Wasserversorgung für San Francisco aufgestaut. Das Bild zeigt das Tal heute und eine Aufnahme vor dem Bau des Damms. Es gilt bis heute als eine der großen Umweltschädigungen des 20. Jahrhunderts. ©Matt Stoecker aus dem Film DamNation

Staudämme und Wasserumleitungen erzeugen Treibhausgase
Staudämme tragen aktiv zum Klimawandel bei – die globalen Gesamtemissionen sind mit den Klimaauswirkungen des Luftfahrtsektors vergleichbar: Wenn riesige Wald- oder Grünflächen abgeholzt bzw. überflutet werden, um Platz für einen Damm oder ein Reservoir zu schaffen, sind diese Pflanzengemeinschaften nicht mehr in der Lage, Kohlendioxid aus der Atmosphäre zu absorbieren. Außerdem stoßen große Reservoirs jedes Jahr 104 Millionen Tonnen Methan aus – das sind knapp vier Prozent, der durch Menschen verursachten Treibhausgase.

Flüsse sind überlebensnotwendig
Das Überleben von Mensch und Tier hängt von gesunden Flüssen ab. Sie sind nicht nur Trinkwasserquelle, sie absorbieren Regenfälle und tragen zur Auffüllung der Grundwasserreservoirs bei und versorgen Menschen und Tiere mit Nahrung. Außerdem schützen sie vor den Auswirkungen von Überschwemmungen und Dürren und sorgen für gesunde Wälder. Durch Staudämme wird der Grundwasserspiegel gesenkt, so ist es für die Vegetation unmöglich sich mit Wasser zu versorgen.

Blue Heart of Europe

Hat man all diese Auswirkungen vor Augen scheint es fast unglaublich, dass derzeit über 3.000 Staudämme und Wasserumleitungen zur Stromerzeugung auf dem Balkan geplant bzw. im Bau sind. Auf den letzten frei fließenden Flüssen Europas. Dabei zeigte eine hydromorphologische Untersuchung von 35.000 Flusskilometern von River Watch, dass 30 Prozent der Balkanflüsse in einem natürlichen Zustand sind und weitere 50 Prozent nur gering bis mäßig verändert wurden. Das heißt, fast 80 Prozent der untersuchten 35.000 Kilometern Fließgewässer sind in einem sehr guten bis akzeptablen Zustand. Die albanische Vjosa ist derzeit sogar noch völlig ohne menschliche Eingriffe. Geplant sind allein auf ihr 38 (!) Staudämme.

Der bisher noch unverbaute Fluss Vjosa ©Andrew Burr

Werden alle geplanten Maßnahmen umgesetzt, kann dies das Aussterben von 30 gefährdeten Arten zur Folge haben – und die Bedrohung von 69 endemischen Fischarten. Und noch mehr: So kann der bereits bedrohte Donaulachs in Bosnien aussterben. Das Überleben des Balkan-Luches in Mazedonien wird gefährdet. Kulturell bedeutsame Bewölkerungsgruppen werden verdrängt und die Süßwasserressourcen einer gesamten Region zerstört. Denn 1.500 Staudämme sollen in geschützten Gebieten gebaut werden. 118 davon in Nationalparks. Dabei produzieren die geplanten Kraftwerke im Vergleich zu ihren Auswirkungen auf die Umwelt nur wenig Strom. Nahezu vernachlässigbar.

Patagonia ruft zum Kampf gegen die Staudämme auf

Wenn nicht jetzt etwas dagegen getan wird. Wenn nicht du, nicht wir, aufstehen und sagen, da machen wir nicht mit, dann werden diese Kraftwerke gebaut. Intakte Natur wird zerstört. Tieren und Menschen wird der Lebensraum genommen. Bereits seit mehreren Jahren kämpfen lokale NGOs gegen den Bau der Kraftwerke. Mit Patagonia bekommen sie jetzt einen (hoffentlich) einflussreichen Partner an die Seite. Das Unternehmen setzt sich weltweit für intakte Natur und freifließende Gewässer ein und hat mit dem Film DamNation deutlich gemacht, was es von Regulierungen und dem Bau von Staudämmen hält. Dieses Engagement führt Patagonia jetzt mit seinem neuen Film und vor allem seiner neuen Umweltschutzkampagne „Blue Heart“ fort und will gemeinsam mit deiner Stimme und den Aktivisten vor Ort den Druck auf die internationalen Banken erhöhen, die auf dem Balkan in Wasserkraftwerke investieren. Denn ein Bankwatch-Bericht vom Januar 2018 bestätigt, dass diese geschätzte 727 Millionen Euro als Kredite für den Bau von Staudämmen und Wasserumleitungen gewährt haben. In einer Petition fordert Patagonia deshalb die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE), die Europäische Investitionsbank (EIB) und die internationale Entwicklungsbank Internationale Finanz-Corporation (IFC) auf, ihre Investitionen in Wasserkraftprojekte auf dem Balkan zu stoppen.

Nicht fertiggestellter Kalivac Damm am albanischen Fluss Vjosa ©Andrew Burr

Bitte unterschreibt auch ihr die Petition bevor die letzten natürlichen Flussläufe Europas für immer zerstört werden. Spenden für den Einsatz vor Ort könnt ihr hier.

Mehr Infos findet ihr auf der Seite von Blue Heart of Europe, auf der Patagonia Homepage und im Trailer zum Film „Blue Heart“.

Titelbild: ©Andrew Burr 

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