Wilde Einöde

Der Biosphärenpark Nockberge – eine Durchreise 

„Ein Schloss am Wörthersee“ ist das Erste, was mir zu Kärnten einfällt. Roy Black in der Hauptrolle. Und Uschi Glas war auch dabei. Ein bisschen österreichischer Schick. Die Kärntner Nockberge sind da das komplette Gegenteil. Rau und wild. Einsam. Das trifft es wohl eher und vor allem trifft das auf den Biosphärenpark Nockberge zu.

Die Straße schlängelt sich durch den Wald. Immer wieder blitzt der Fluß zwischen den Bäumen hindurch. Transportiert den geschmolzenen Schnee Richtung Tal. Das dunkle Grün des Waldes steht im Kontrast zu den wenigen schneebedeckten Stellen. Langsam lichtet sich der dichte Wald und gibt den Blick frei auf die umliegenden Berge. So stellt man sich Kanada vor. Es erfüllt alle Klischees: Satte, grüne Wälder, ein Gebirgsbach, der durch das Tal fließt und die Straße, die sich fast verloren auf die Berge zubewegt. Uns ist noch kein Auto entgegen gekommen. In Kanada wär das kein Wunder. Hier in den Kärntner Nockbergen vielleicht schon.

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Hinter Bad Kleinkirchheim, für mich bisher lediglich bekannt durch den alljährlichen Kampf der Damen um das Stockerl des Alpinen Skiweltcups, beginnt das Gebiet des UNESCO Biosphärenparks Nockberge. Eine Verbindung zwischen Kärnten und Salzburg. Ein Schutzgebiet und eine Modellregion für nachhaltige Entwicklung. In einem Biosphärenpark wird nicht die Natur gesondert unter Schutz gestellt, vielmehr wird das Zusammenspiel von Mensch und Natur untersucht, geschützt, weiterentwickelt und traditionelle Lebensweisen unterstützt.
Die Verbindung und vor allem Anbindung zu sämtlichen Aktivitäten im Biosphärenpark ist die Nockalmstraße. Auf 35km schlängelt sie sich durch den Park, durch ursprüngliche Landschaft, vorbei an Almen, Wiesen und Wanderwegen. Anfang Mai, als wir durch den Biosphärenpark reisen, ist hier keine Hauptsaison. Nicht einmal Nebensaison. Auf der gesamten Strecke begegnet uns gerade einmal ein einziges Auto. So lassen wir uns einfach treiben, den Blick schweifen. Hören der Musik zu und träumen uns durch die umliegende Landschaft.

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Der Weg durch den Biosphärenpark ist für uns nur Mittel zum Zweck. Die letzten drei Tage haben wir auf dem Mountainbike verbracht. Die „Nocky Mountains“ von Feld am See aus erkundet und die Gegend rund um den Wörthersee jenseits der Fernsehserie „Schloss am Wörthersee“ kennengelernt. Deswegen geht es nun direkt durch den Biosphärenpark nach Hause.

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Ein Highlight des Parks ist das über 300 Jahre alte Karlbad. Eine Rarität unter den Bauernbädern. Im urigen Baderaum ruhen auf altem Dielenboden 14, aus mächtigen Lärchenstämmen, gehölte Tröge. Darin wartet das von glühenden Kugelsteinen auf 35-40 Grad erhitzte schwefel- und eisenhaltige Wasser auf die Badegäste. Vom Bademeister persönlich werden die Steine in der Früh aus dem Feuer geholt und in das kalte Quellwasser in den Trögen gelassen. Dabei zerplatzen sie und geben ihre Mineralstoffe im Badewasser frei. Wenn der Kopf des Badegastes später aus den abgedeckten Trögen schaut, sind die Steine längst wieder entfernt und der Gast kann für eine halbe Stunde bis Stunde in den Wannen ruhen, schwitzen und vor allem seine Leiden kurieren.

Heute hat das Karlbad leider nicht geöffnet.

Wir machen uns weiter die Straße entlang zur Eisentalhöhe, dem höchsten Punkt der Nockalmstraße auf 2.042m. Dort steigen wir aus, beobachten Murmeltiere und hören ihre Pfiffe noch in der Ferne. Die Landschaft hier oben sieht unwirklich aus. Rau und wild, verlassen. Bis auf die Rufe der Murmeltiere herrscht absolute Stille. Der Wind bläst nur knapp über die wenigen Büsche. Letzte Schneereste ruhen auf grau-braunem Gras.

Kein Wunder, dass es hier noch endemische Arten gibt. Arten, wie den Speik. Die Baldrianart ist heute nur noch in den Nockbergen zu finden. Früher wurde die geschützte Pflanze massenhaft geerntet und in den Orient exportiert. Für Badeessenzen, Parfums und die Behandlung diverser Krankheiten. Bekannt ist er vor allem auch auch wegen seines intensiven Baldriangeruchs. Kleopatra war der berühmteste Fan der kleinen Pflanze, sagt man. Heute ist es lediglich lizensierten Bergbauern erlaubt den Speik zu ernten und das sogar nur mit einem extra dafür vorgesehen Grabwerkzeug, dem Speikkramperl. Speick Naturkosmetik ist sogar das einzige Unternehmen, das aus der Speik-Pflanze Kosmetikprodukte herstellen darf.

Wir haben den Speik leider weder gesehen noch gerochen. Denn er blüht erst zwischen Juli und August. Deswegen geht für uns die Reise weiter. Unter der Schranke der Parkverwaltung hindurch nach draußen. Nach wenigen Minuten rollen vier-fünf Autos an uns vorbei. Anwohner werkeln an ihren Häusern und alles wirkt ein wenig geschäftig. Die graue Straße führt uns auf direktem Weg zur Autobahn. Hier ist die Wildheit der Nockberge passé und die Zivilisation hat uns wieder.

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Mixtape für die Nockberge

Roadtrips wirken am besten mit der richtigen Musik. Hier ist das Wild Recreation-Mixtape für die Nockberge:

  1. Lord Huron – Meet Me In The Woods
  2. Bob Dylan – Shelter From The Storm
  3. Boy & Bear – Hollow Ground
  4. Cage the Elephant – Cigarette Daydreams
  5. Nada Surf – Believe You’re Mine
  6. Neil Young – I’m The Ocean 
  7. Portugal. The Man – Modern Jesus
  8. Shearwater – I Luv The Valley OH!!
  9. Foals – Mountain At My Gates
  10. Lord Huron – The Yawning Grave
  11. Kurt Vile – Pretty Pimpin

 

Info Biosphärenpark Nockberge

Der Biosphärenpark Nockberge ist der jüngste seiner Art in Österreich und liegt im Süden Kärntens in den Gemeinden Bad Kleinkirchheim, Krems in Kärnten, Radenthein und Reichenau. Seit dem Jahr 1987 gibt es den Nationalpark Nockberge, der 2012 in einen Biospährenpark umgewandelt wurde und die Anerkennung der UNESCO erhielt. Die Ziele des Biosphärenparks sind: die Natur und die Kulturlandschaft in ihrer Ursprünglichkeit zu bewahren und die Tier- und Pflanzenwelt zu schützen. Um die Region und den Biosphärenpark genießen zu können gibt es viele Wandertouren und geführte Erlebnisprogramme, die die Besonderheit der Nockberge hervorheben.

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Mehr Infos gibt es hier.

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