Napoleons Trails – Mountainbiken auf der Insel Elba

Da ist diese Insel im Mittelmeer. Diese Insel voller Abenteuer, sei es auf den Bergen, unter dem Meer oder irgendwo dazwischen. Nennen wir die Insel Elba und nennen wir das hier eine Mountainbike-Geschichte.

Salz liegt in der Luft. Feine Kristalle bilden sich auf meinen Lippen. Ich kann es schmecken. Der Kies knirscht unter meinen Schuhen. Schritt für Schritt. Der braune feine Sand bildet eine Schicht auf meiner Haut. Porig. Vermischt mit Salz und Sonnencreme.Der weiße Rand der Creme zieht sich entlang meines Unterarms. Das Gewicht nimmt zu. Ich rücke meinen Rucksack zurecht. Greife das Pedal. Verlagere das Gewicht auf meiner Schulter und gehe weiter den schmalen Pfad entlang.

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Tour rund um den Nordkamm des Cima del Monte © Wild Recreation

Der Nebel umspielt den Waldrand. Liebäugelt mit der Macchia. Gibt den Weg frei auf das Meer. In Wellen umtost es die Felsen. Strömt schäumend an den Strand. Wogt die Fischerboote hin und her. Ein nächster Absatz. Ich ducke mich unter einem herunterhängendem Ast. Stemme mein Fahrrad nach oben und lege es hin. Der Gipfel gibt den Blick frei. Nach Süden, Norden, Westen, Osten. Die Fähren bahnen sich ihren Weg nach Portoferraio. Der aufsteigende Dampf versiegt im blau des Himmels. Winzige Wolken tummeln sich um den Monte Capanne. Der höchste Berg. 1019 Meter über dem Meeresspiegel. Der Gipfel aus Granodiorit wacht über Wäldern aus Kastanien, die bis zum Meer hin abfallen. Wir beobachten das rege Treiben. Ziehen unsere Protektoren an und steigen auf. Biegen in den Trail ein und lassen uns nach unten treiben. Immer Richtung Küste.

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Auf Elba endet fast jeder Trail am Meer © Wild Recreation

Die Insel Elba im Mittelmeer ist bekannt. Unter Deutschen, für den Strandurlaub und für die nahe Lage zum italienischen Festland. Für was sie noch bekannt ist, ist Mountainbiken. Aber nicht im modernen, sondern im ursprünglichen Sinn. 200 Kilometer südlich von Finale Ligure, dem neuzeitlichen Mountainbike-Mekka, steigt man in Piombino auf die Fähre. Entschwindet einem italienischen Industriehafen und bereist den Nationalpark des Toskanischen Archipels. Hier, wo der französische Feldherr Napoleon im 19. Jahrhundert im Exil war, tummeln sich heute allerlei Touristen. Doch hauptsächlich im Sommer. Im Frühjahr und Herbst kann man problemlos die Insel mit dem Mountainbike erkunden. Zahlreiche Trails führen durch die Macchia entlang endloser kleiner Gipfel bis an einsame Strände und versteckte Buchten. Was man mitbringen muss? Etwas Kondition. Shuttle? Fehlanzeige. Hochtreten ist angesagt. Aber wer sich das traut findet sich an wilden Orten wieder, wo sich nur ab und an Wanderer hin verirren und sich Wildschwein und Mufflon Gute Nacht sagen.

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Die Trails auf Elba reichen von flowig bis technisch-verblockt © Wild Recreation

Wir stehen auf dem Cima del Monte, am Ostende der Insel und blicken auf die Hauptstadt Portoferraio und das kleine Fischerdorf Porto Azzuro. Entlang des Bergrückens bahnen wir uns den Weg nach unten. Die Nabe klackert. Der Kies rutscht. Die salzige Luft prescht mir ins Gesicht. Über eine kleine Straße verirrt sich der Trail in der dichten Macchia. Die Äste bleiben in meinem Rucksack hängen. Dornen kratzen über meine Haut. Eine Felsstufe folgt der nächsten. Spitzkehre und weiter. An einem Parkplatz mit Picknicktisch vorbei schieben wir auf die nächste Anhöhe. Der Blick wird immer weiter. Der Lavendel blüht und schenkt dem Weg einen wild-lila Saum. Die Orchideen reihen sich weiß und dunkelrot dazwischen. Schimmern in der Abendsonne. Wir nehmen den Trail weiter Richtung Küste, durch einen kleinen Wald mit Anliegern und Sprüngen.

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Wilde Orchideen säumen im Frühjahr die Trails auf der Insel © Wild Recreation

Wir folgen einer Asphaltstraße weiter entlang der Küste und münden in einen kleinen Pfad, der uns in das kleine Bergdorf Rio nell’ Elba bringt. Die letzten Kilometer nehmen wir die Küstenstraße. Lassen uns nach unten tragen. Serpentine für Serpentine. Wir erreichen die Piazza Matteotti in Porto Azzurro. Zwei Kugeln Fior di Latte und Crema. Mit dem Eis in der Hand beobachten wir das Treiben. Kinder mit Fußbällen, italienische Frauen, die wild aufeinander einreden und Männer, die den Blick in die Bucht genießen. Wie wir.

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Italienisches Flair auf Elba © Wild Recreation

Zufrieden fallen wir abends in den Schlafsack zwischen den Olivenbäumen. Die Tour für den nächsten Tag ist schon geplant.

 

Infos Insel Elba
Die Insel Elba liegt im Toskanischen Archipel ca. 10 km vom italienischen Festland zwischen der Toskana und Korsika. Die Ost-West-Ausdehnung der Insel beträgt 27,9 km, wobei die Küstenlänge, bedingt durch die vielen Kaps, Buchten und zahlreichen Halbinseln 147 km beträgt.

Anreise
Elba bereist man am einfachsten mit dem Auto. Mit der Fähre ist man ab Piombino in knapp einer Stunde auf der Insel. Von München über den Brenner sind es knapp 800 km.
Preise pro Person mit Auto: ab ca. 60 EUR (variiert je nach Saison)
Es verkehren hauptsächlich die Fähren Moby Lines und Toremar – weitere Infos dazu gibt es hier.

Where to stay
Ich bin ein Camper und ich liebe Camping auf Elba. Ein toller Tipp ist der Campingplatz Orti di Mare in Lacona. Er liegt auf einem biologischen Landgut und ist eingebettet zwischen Olivenhain und Kiefernwald. Auf dem Landgut werden Obst und Gemüse angebaut, die im anliegenden Null-Kilometer Restaurant zu regionalen Gerichten zubereitet werden. Im Hofladen des Campingplatzes werden hausgemachte Marmeladen und Olivenöl, sowie selbstgemachtes Brot verkauft.

Weitere Infos zu Orti di Mare findet ihr hier.

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Blick aus dem Caddy auf dem Campingplatz Orti di Mare © Wild Recreation

Mountainbiken auf Elba
Für Elba empfiehlt sich eine topographische Wanderkarte, wie die Carta Turistica e die Sentieri – Insel Elba und die anderen Inseln des Nationalparks Toskanischer Archipel – Topographische Wanderkarte 1:25.000 (Blatt 502) und für ausgiebige Touren ein Mountainbike-Führer, wie der von Burkhard Dahl aus dem Delius Klasing Verlag. Darin sind 20 Touren, die einmal quer über die Insel führen und für jedes Level geeignet sind.

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Mountainbiken auf Elba von Burkhard Dahl © Wild Recreation

Wir können daraus auf jeden Fall folgende Touren empfehlen:
Tour 4 Serrone-delle-Rose-Trails: Eine mittelschwere Tour durch das südliche Erzminen Gebiet bei Capoliveri im ausgeschilderten Elba Bikepark auf abgeschiedenen Trails und traumhaften Ausblicken aufs Meer.
Tour 9 Cima Monte – Nordkamm: Spektakuläre Ausblicke muss man sich mit Schiebe- und Tragepassagen hart erarbeiten. Es lohnt sich aber und führt einen in die wilden, ursprünglichen Regionen der Insel

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– Ein echter Trail-Geheimtipp ist das Gebiet rund um den Monte Tambone. Einmal rauf und man kann sämtliche Abzweigungen nehmen, die das Trailnetz hergeben. Immer mit Meerblick und in vollkommener Abgeschiedenheit.

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Das Mountainbike ist ideal um einsame Buchten auf Elba zu erkunden © Wild Recreation
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2 thoughts on “Napoleons Trails – Mountainbiken auf der Insel Elba

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